Nathaniel Seiler und das DLV-Geherteam starten über Dullstroom/Südafrika in Richtung Olympia in Sapporo/Japan

  • 1. März 2020

Die deutschen Geher haben zum Start ins Olympiajahr unter Leitung von Bundestrainer Ronald Weigel ein intensives Trainingslager im südafrikanischen Dullstroom absolviert. Dort schaffte sich das Team in der Höhenluft und auf profiliertem Gelände eine gute Ausdauergrundlage für den Weg zu den heißen Olympischen Spielen in Japan. Wie beginnt man ein Wettkampfjahr, in dem als Höhepunkt einer der heißesten olympischen Wettkämpfe seit langem wartet? Die Geher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) entschieden sich für die bewährte Methode: Ein Trainingslager in Südafrika, auf 1.900 Metern Höhe im sommerlichen Dullstroom. Untergebracht war das Team 20 Kilometer entfernt auf einer Farm. Seit mehr als zehn Jahren steuern die Geher diesen Ort an, der WM-Vierte über 20 Kilometer Christopher Linke (SC Potsdam) ist schon seit 2008 fast jedes Jahr dabei.
Neben der Höhenluft sorgt die sehr profilierte Strecke im Walkerson Private Estate für eine gute Kraftausdauer. „Bei meist warmem Wetter konnten wir dem europäischen Winter ein Stück weit entfliehen und uns an den heißen Tagen schon etwas an die harten Bedingungen bei den Sommer-Wettkämpfen gewöhnen“, berichtet der WM-Siebte über 50 Kilometer Carl Dohmann. „Leider wurden wir dieses Jahr oft von Regenfällen begleitet.“ Mehr als drei Wochen Training haben die Geherinnen und Geher des Olympia- und Perspektivkaders hinter sich. Nur Emilia Lehmeyer (LG Nord Berlin) musste das Trainingslager vorab verletzungsbedingt absagen.
Die Umfänge in Dullstroom waren hoch. In der Summe legten die Athleten pro Woche teilweise deutlich mehr als 200 Kilometer zurück. „Glücklicherweise hatten wir zunächst mit Marco Pelz und dann mit Andreas Massong diesmal durchgängig Physiotherapeuten dabei, die nach harten Belastungen unsere Muskeln auflockerten und akute Probleme behandelten“, erzählt Carl Dohmann. Unterstützung leistete trotz seines Ruhestands auch der ehemalige Trainer von André Höhne Peter Selzer.
Treffen mit den DLV-Läufern Die Geher, darunter ebenso Nathaniel Seiler (TV Bühlertal), Nils Brembach, Hagen Pohle, Teresa Zurek (beide SC Potsdam) und Leo Köpp (LG Nord Berlin), trafen regelmäßig auf die DLV-Läufer-Gruppe, die unter dem Leitenden Bundestrainer Lauf/Gehen Thomas Dreißigacker und Langstrecken-Bundestrainer André Höhne direkt in Dullstroom weilte. Zwei Mitarbeiter des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) nahmen so auch bei den DLV-Gehern nach den Bergauf-Einheiten und bei einer Tempo-Session von 6×4 Kilometern Laktatproben.
Die Freizeit verbrachte man mit Lesen, Kartenspielen wie Poker, Mario Kart, Gesprächen oder Uni-Vorbereitungen. „Interessant waren wie immer die Begegnungen mit Tieren. Während wir freilaufende Zebras, Rehe vor dem Zimmerfenster oder Affen an der Strecke mittlerweile normal finden, lernen wir doch immer wieder Neues kennen“, freute sich Carl Dohmann. „Dieses Jahr hat einer von uns einen kleinen Leoparden gesehen, der sich nach intensiver Recherche allerdings als Serval herausstellte.“
Die Saison wird wegen der warmen, klimatischen Bedingungen in Sapporo – dorthin wurden die olympischen Geh- und Marathon-Wettbewerbe von Tokio verlagert – eine Herausforderung für die Geher. Und auch die Qualifikation hat es in sich. Während Christopher Linke und Saskia Feige bereits für den Höhepunkt in Japan planen können, müssen die anderen Team-Mitglieder im neuen Qualifikationssystem noch nachlegen.

 

Angriff auf Olympia-Norm in Dudince und Podebrady

Einige Geher werden daher am 21. März in Dudince (Slowakei) über 50 Kilometer versuchen, die Olympia-Norm zu erfüllen oder zumindest viele Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Andere werden am 4. April in Podebrady (Tschechien) über 20 Kilometer in die Saison einsteigen. Als erstes Highlight steht Anfang Mai die Team-WM in Minsk (Weißrussland) an. Am 16. Mai geht es zur Deutschen 20-Kilometer-Meisterschaft in Naumburg.
Ende Februar wird das Geher-Team erneut nach Südafrika reisen. Dann ins niedrig gelegenere Potchefstroom, wo ein Großteil letzten September bereits die unmittelbare WM-Vorbereitung auf Doha (Katar) durchführte. Zudem gibt’s im Saisonverlauf individuelle Trainingslager. Christopher Linke ist vor der Team-WM in der Höhe von Flagstaff (USA). Jonathan Hilbert (LG Ohra Energie) und Karl Junghannß (Erfurter LAC) verbringen im Februar zehn Tage im portugiesischen Monte Gordo. Zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele wird es ein zentrales Höhentrainingslager auf den Belmeken in Bulgarien geben.